Cellesche Zeitung, 04.01.12

Rhythmische Wucht und raffinierte Klänge begeistern

VON ROLF-DIETER DIEHL

NIENHAGEN. Mit einem begeisternden Konzert im Hagensaal bedankte sich das Regionale Jugendsinfonieorchester Hannover unter der Leitung von Thomas Aßmus bei der Gemeinde Nienhagen für die Gastfreundschaft anlässlich seiner Probenwoche und feierte zugleich sein 20-jähriges Bestehen.

Mit der spritzigen Ouvertüre zu Glinkas Märchenoper "Ruslan und Ljudmila" sorgten die rund 65 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren gleich zu Beginn für Stimmung im Saal. Und dann stand mit Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert bereits der erste Höhepunkt auf dem Programm. Weit entfernt von flauschiger Belanglosigkeit stellte der gastierende Pianist Wolfgang Zill, Professor an der Musikhochschule, Hannover, im Zusammenspiel mit dem Orchester die ganze Doppelbödigkeit und Ironie des Werkes heraus. Mal heftig preludierend, mal mit kraftvollen Akkorden im Forte, mal in tiefer Versunkenheit entführte er das Publikum in klassische Klangwelten, wobei er sowohl die typische russische Schwermut als auch die Beschwingtheit der Bewohner des ehemaligen Zarenreiches zum Ausdruck brachte. Ein Spiel feinster Hämmer mit überwältigender Akkuratesse.

Nach der Pause erlebte das Publikum bei Liszts "Les Préludes" zwischen kraftvollen Fanfaren und besinnlichen Pastoralen quasi die Verschmelzung von Musik und Poesie. Ausdrucksstark, fast schon berauschend entfaltete das junge Ensemble unter Aßmus' einfühlsamen Dirigat das innige, breit ausgesponnene Liebesmotiv und die vom Komponisten geschilderten Seelenzustände, die Kämpfe und Stürme, den Schmerz und den Trost. Eine beeindruckende Interpretation. Mit Borodins exotisch-orientalisch gefärbten "Polowetzer Tänzen" ging das Konzert ebenso mitreißend wie vergnüglich zu Ende. Dem detailverliebt und bisweilen geradezu süffig musizierenden Orchester gelang es auch hier auf eindrucksvolle Weise, die vielen nuancierten Klangfarben des russischen Pathos' und die verschiedenen Stimmungen der einzelnen Sätze präzise heraus zu arbeiten und dem Publikum so das weite Feld dieser russischen Bildersprache mit ihren dynamischen Gegensätzen, mit ihrer rhythmischen Wucht und ihren raffinierten Klangwirkungen nahe zu bringen.

Lüneburger Landeszeitung, 10.03.09

Gute Musik für einen guten Zweck

Jugendsinfonieorchester spielte wieder bei Sternpartner

hjr Lüneburg. Eintauchen in slawische Musik wollte das Regionale Jugendsinfonieorchester Hannover mit seinem aktuellen Programm. Ausgesucht wurden Partituren von Sergej Prokofieff, Nikolai Tschaikin und Peter Tschaikowsky. Alle drei Werke brachte der ausgezeichnet präparierte Klangkörper mit seinen Dirigenten Bernhard von der Chevallerie und Thomas Aßmus prächtig zur Entfaltung. Das Autohaus SternPartner fungierte dabei erneut als Veranstalter eines sehr gut besuchten Benefizkonzerts.

Schon zum vierten Mal lud SternPartner, unterstützt von weiteren Lüneburger Firmen und Organisationen, das Orchester ein. Die bewährte Kooperation beschert neben konzertantem Vergnügen jeweils einer karitativen Einrichtung finanzielle Hilfe. Dieses Mal profitierte der Behindertenkindergarten am Kalkberg. Rund 2000 Euro wird Centerleiter Andreas Schulz überweisen.

Prokofieffs Ouvertüre über ein hebräisches Thema (1920) verbindet russisches Temperament mit jüdischem Kolorit - typisch die immer wieder aufblitzende Klarinette. Die talentierten Jung-Sinfoniker gestalteten das Werk transparent und homogen. Sie ließen Themen frisch leuchten, reagierten auf den Punkt präzise. Bernhard von der Chevallerie erwies sich als umsichtiger Leiter.